Das wird Ärger geben – Fragen und Anregungen zum großen Ratschlag

Was wurde nicht alles probiert, um Stuttgart 21 zu stoppen. Wahlen, Bürgerbegehren, Volksabstimmung, Demonstraktionen, Ziviler Ungehorsam, ja sogar vor Sachbeschädigungen schreckten einige wenige nicht zurück.

Bisher stehen die Projektbetreiber gut da – vielleicht so gut wie noch nie, denn es existiert auch keine politische Debatte mehr: Alle relevanten politischen Kräfte stehen hinter dem Projekt oder haben zumindest ihren Widerstand aufgegeben. Hatten vor der Volksabstimmung Sachargumente keine Chance, so ist die Bewegung mittlerweile in einer Situation, dass sie selbst in der öffentlichen – zum Teil auch in der internen – Wahrnehmung nur noch eine geringe Rolle spielt.

Woran das liegt? Alle Argumente sind längst ausgetauscht. Jeder weiß, dass die Bahn manipuliert. Nach zwei Rosenmontagsumzügen, drei (?) Trauermärschen, mehreren Haus- und Dachbesetzungen und mehreren geräumten Baumhäusern liefert die Bewegung noch nicht einmal mehr neue Bilder, die wirklich berichtenswert wären.

Was kann Stuttgart 21 noch stoppen? Einige sagen, dass jetzt massenhafter Ziviler Ungehorsam angebracht sei. Aber woher sollen 10.000 Menschen kommen, die wochenlang die Baustelle blockieren? Schon bei der Parkräumung hat sich fast niemand hingesetzt. Die Aufreger sind abhanden gekommen. Der wichtigste war bis zur Volksabstimmung der, dass es ein Projekt gegen den Willen der Bevölkerung sei. Seit der Abstimmung kann aber niemand mehr ernsthaft in diese Richtung argumentieren. Nein, die Straße wird Stuttgart 21 zum momentanen Zeitpunkt nicht stoppen. Stuttgart 21 kann an technischen oder juristischen Hürden scheitern. Die Bewegung sollte sich hierauf konzentrieren, statt sich mit immer weiteren Demonstrationen und Aktionen personell und finanziell weiter auszupowern – zumal diese nicht dafür sorgen, dass das Protestpotential oder zumindest die Gruppe der Sympathisanten wächst.

Es gibt Überlegungen, sich auf Einzelthemen wie Barrierefreiheit zu konzentrieren und diese zu einem Aufreger zu machen. Kann das wirklich klappen? Jeder kennt Durchgangsbahnhöfe und ihre Vor- und Nachteile. Gut, die Bahnsteigneigung in Stuttgart soll besonders krass werden. Aber wird das jemanden in der momentanen Situation noch hiner dem Ofen hervorlocken – bevor etwa ein Unfall deswegen passiert ist?

Ja, Stuttgart 21 ist schlimm. Aber es gibt viele schlimme Dinge in der Welt. Klimawandel und soziale Ungerechtigkeit sind mit Abstand größere Übel. Klar spielen viele größere Probleme auch bei Stuttgart 21 eine Rolle. Aber sind diese nicht vielleicht an anderer Stelle besser zu bekämpfen? Wo kann die Bewegung ihre Energie optimal einsetzen, um eine bessere Welt – ob im Kleinen oder Großen – zu erreichen?

Was ist mit dem Bürgermeisterwahlkampf? Um Stuttgart zu einer lebenswerteren Stadt zu machen, ist dies doch eine grandiose Chance! Gleichzeitig kann sich die Bewegung mit vielen kleinen und großen Übeln in der Stadt auseinander setzen. Es ist klar, dass auch ein neuer Bürgermeister Sand im Getriebe des Projekts sein aber Stuttgart 21 höchstwahrscheinlich nicht stoppen kann.
Deshalb ist es umso wichtiger, dass sich ein Kandidat findet, der auf für die sogenannten Proler wählbar ist und Gräben zuschüttet. Nur so wäre die Wahl zu gewinnen.