Ein How-To für politische Veränderung

Sechzehn Jahre Erfahrung mit Greenpeace-Kampagnen hat Andreas Bernstorff auf 114 Seiten kondensiert. Was dabei herausgekommen ist, ist ein kurzweiliges Taschenbuch, das auf einfache Weise an das politische Campaigning heranführt und Lust auf mehr macht.

Dabei bleibt keiner der vier großen Themenbereiche abstrakt, auch wenn, das wird immer wieder deutlich, Bernstorff kein Problem hätte, 500 Seiten mit theoretischen Betrachtungen zu füllen. Seine reichhaltige Erfahrung ermöglicht es ihm, jeden Schritt der Kampagnenplanung mit Beispielen aus der Praxis anzureichern. Nicht jedes dient dabei als leuchtendes Vorbild. So beschreibt er eine Giftmüll-Kampagne mit einer anfänglichen Zielrichtung, die, das wird beim Lesen immer deutlicher, einfach nicht funktionieren konnte.

Am Ende des Buches zeigt der Autor anhand des bisher nicht wirklich bearbeiteten Themas Medikamentenrückstände im Abwasser, welche möglichen Ansätze sich ergeben und wie diese jeweilsh in welcher Zeitspanne zu bearbeiten wäre. Dabei schreckt er nicht davor zurück, bestimmte Veränderungen erst in 70 Jahren für realisierbar zu halten. Ob die Medikamentenproblematik wohl als Aufforderung zum Handeln zu sehen ist?

Sehr sympatisch ist Bernstorffs offener, Greenpeace-typischer Blick: So bewegt er sich zwischen Terrorismusdefinitionen, chinesischen Militärstrategien und Gandhi-Zitaten gekonnt hin und her ohne die in der „Bewegung“ herrschenden Denkverbote zu beachten.

Lohnend für alle, die wirklich etwas verändern wollen und dafür nicht ausschließlich auf das Internet setzen – diesen Bereich spart Bernstorff weitestgehend aus.

Andreas Graf von Bernstorff: „Einführung in das Campaigning„, Carl-Auer Compact, 2012