Kontext21 – Appell an die „neuen“ Zeitungen aus Stuttgart

Gestern Abend saß ich in einer Kneipe und wie so häufig kam das Gespräch zwischendurch auch auf Stuttgart 21. Ein Kölner Kollege berichtete mir, wie schwer es ihm fiele, die Beilage der Berliner taz namens Kontext noch zu lesen. Diese sei ihm viel zu sehr auf das Bahnhofsprojekt ausgerichtet und würde sich argumentativ ewig im Kreis drehen – trotz journalistischer Stärke.

Was der Kölner Kollege nicht wissen konnte, es gibt sogar zwei Zeitungen in Stuttgart, die aus dem Protest kamen und sich hauptsächlich um ihn drehen. Kann das wirklich sein? Zwei Zeitungen? Mittelfristig besteht nur Markt für eine – und auch die wird es nicht leicht haben. Das sollte allen klar sein. Warum gibt es dann zwei? Der geringfügig andere Fokus kann es nicht sein. Auch die Kooperation der einen Zeitung mit der Berliner taz kann nicht wirklich bedeutsam sein. Ist es ein anderer Anspruch an Professionalität? Ihr könnt doch nur voneinander profitieren!

Zu Beginn gab es nur Einundzwanzig. Dann kam es zum Streit und es entstand Einundzwanzig-Bulletin. Dann kam Kontext – immer noch zur Hochphase des Protests. Zu Beginn dieser Entwicklung fand ich es einfach nur kindisch. Nie habe ich das Potential gesehen, dass zwei Zeitungen aus dem Widerstand gegen Stuttgart 21- egal in welcher Erscheinungsform und mit welchem thematischen Fokus – überleben könnten.

Doch schaue ich mir jetzt den Überlebenskampf von Kontext an, kommen mir wirklich die Tränen: Neuer, unabhängiger Journalismus ist wichtig – nicht nur in Stuttgart. Ebenso wichtig ist es, der Bewegung, ob nun im Südwesten oder bundesweit, neue Impulse zu geben. Das muss die Aufgabe EINER Zeitung, EINER Redaktion sein.

Bitte liebe Redaktionen, rauft Euch zusammen! Das Land braucht Euch, Eure Themen und Eure Schreibe! Und zwar vereint und progressiv. Ihr müsst lokal neue Perspektiven neben Stuttgart 21 entwickeln und bundesweit durch Kommentare Akzente setzen. Es läuft einfach zuviel schief in diesem Land, als dass wir auf Euch verzichten könnten! Zeigt auch dem Kölner Kollegen, was für ein Potential in Stuttgart entstanden ist!

Weiterführende Links:
Zeit über Kontext
Einundzwanzig über den neugegründeten Verein Artikel 5

5 Gedanken zu „Kontext21 – Appell an die „neuen“ Zeitungen aus Stuttgart

  1. Wenn in Stuttgart dem, was der Filz da vorhat, wirklich Einhalt geboten werden soll, müssen sich nicht nur die Redaktionen der Protestzeitungen zusammenraufen.

  2. Es ist mir unverständlich, das Kontext mit seinem Abo-Mangel sich so unbeweglich gibt.
    Kontext steht vor dem Untergang. Die Einunzwanzig hat einen sehr schweren Weg vor sich. Beide zusammen hätten es leichter.
    Ich hoffe nur, dass das Treffen der beiden Zeitungen gestern Abend erfolgreich verlief.

  3. Das wirklich bittere ist, dass man z.B. Wolfgang Molitor, stellvertretender Chefredakteur der „Stuttgarter Nachrichten“, mit Bild als „Laudator“ zum einjaehrigen Jubiläum auf der Homepage listet.
    Ich vermisse nur noch einen Oberstaatsanwalt…dann wäre mein persoenliches Glück vollkommen.
    Spaß beiseite, aber bei Molitor ist die Schmerzgrenze ueberschritten, da mag man noch so tolerant und weltoffen sein – die StN, speziell Molitor, sind einer der aggressivsten und unfairsten Projektförderer die ihre Stellung als Tageszeitung schamlos gegen den S21-Protest ausgenutzt haben. Ich erinnere nur an die hämischen Kommentare Moligors waehrend der Schlichtung.
    Da fehlt doch mehr als das oft zitierte Fingerspitzengefuehl – auch wenn sich kontext vom S21 Protest emanzipieren moechte.

  4. … gerade habe ich Deine Nachricht gelesen und an Oli Stenzel weitergeleitet…

    Es liegt nicht an uns, dass wir nicht fusionieren – Josef Otto will nicht – er verschiebt Termine (eigentlich hätten wir uns gestern treffen sollen), mit einem Mediator – jetzt ist der Termin auf Freitag geschoben worden, schaun wir mal, vielleicht lenkt er doch noch ein… Natürlich trägt Stuttgart und die Region nicht zwei Zeitungen – und eine Fusion wird von uns seit Monaten angestrebt – doch zwingen können wir ihn nicht. Peter Grohmann hat öffentlich aufgerufen, Wolfgang Schorlau geschrieben. Jetzt warten wir auf die Mediation am Freitag…
    Liebe Grüße Michaele

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